Eine Frage während meines Tutorials betraf den Einsatz von Textbedingungen mit (quasi-)boolschen Verknüpfungen in FrameMaker 8. Dies möchte ich kurz etwas erläutern.
Szenario
Ein Produkt wird als Pro- und Light-Version vertrieben, das zugehörige Handbuch soll in vier Varianten publiziert werden, die unterschiedlichen Textmengen werden über Textbedingungen in unstrukturierten FrameMaker-Dokumenten gekennzeichnet:
- Druckfassung der Pro-Version
- Druckfassung der Light-Version
- Web-Fassung der Pro-Version
- Web-Fassung der Light-Version
Bisherige Lösung
Zwar kann Text in FrameMaker schon immer mit einer oder auch mehreren Textbedingungen ausgezeichnet werden, allerdings konnte nie festgelegt werden, dass ein Text nur dann sichtbar sein soll, wenn mehrere Textbedingungen gemeinsam als sichtbar eingestellt wurden. Wenn nur eine sichtbar war, war der Text sichtbar. In der Booleschen Algebra ist das eine ODER-Verknüpfung. Um jede Variante gezielt steuern zu können, muss man daher auf Doppelauszeichnungen verzichten und für jede Kombination eine eigene Textbedingung vorsehen:
| Produktversion: | ||||
|---|---|---|---|---|
| Beide | Pro | Light | ||
| M e d i e n | Beide: | (keine) | Pro | Lig |
| Druck: | Dru | DruPro | DruLig | |
| Web: | Web | WebPro | WebLig | |
In Summe also bis zu acht Textbedingungen für 2×2 Kriterien. Für die vier Produktionen werden dann immer drei Bedingungen eingeblendet und die anderen ausgeblendet; im Beispiel sind die einzublendenden Bedingungen für die Produktion der Druckfassung der Light-Version schattiert.
Lösung mit FrameMaker 8
Seit FrameMaker 8 können nun Ein/Ausblend-Szenarios mit quasi Booleschen Ausdrücken erstellt werden. Das führt dazu, dass tatsächlich nur noch die vier Textbedingungen Pro, Lig, Dru, Web benötigt werden, wobei einer Textstelle gegebenenfalls zwei Bedingungen zugewiesen werden:
| Produktversion: | ||||
|---|---|---|---|---|
| Beide | Pro | Light | ||
| M e d i e n | Beide: | (keine) | Pro | Lig |
| Druck: | Dru | Dru+Pro | Dru+Lig | |
| Web: | Web | Web+Pro | Web+Lig | |
Um jetzt die Druckfassung der Light-Version zu produzieren, darf als Ausdruck aber nicht “Dru” AND “Lig” gewählt werden , denn dann würden alle Texte ausgeblendet, die nur mit Dru oder nur mit Lig gekennzeichnet sind. Der Autor muss umgekehrt denken: Für die Druckfassung der Light-Version muss alles ausgeblendet werden, was speziell für die Pro-Version oder die Web-Fassung markiert wurde. Der Ausdruck lautet dann NOT “Web” ANDNOT “Pro”; die Konstruktion ANDNOT (ohne Leerzeichen) muss in Ermangelung von Klammern verwendet werden. Die folgende Tabelle zeigt die Ausdrücke für alle vier Produktionen:
| Produktversion: | |||
|---|---|---|---|
| Pro | Light | ||
| M e d i e n | Druck: | NOT “Web” ANDNOT “Lig” | NOT “Web” ANDNOT “Pro” |
| Web: | NOT “Dru” ANDNOT “Lig” | NOT “Dru” ANDNOT “Pro” | |

Da die Ausdrücke in der Datei gespeichert bleiben, ist der Wechsel zwischen den diversen Modi auch viel einfacher zu bewerkstelligen. Leider lassen sich Ausdrücke noch nicht in andere Dateien importieren, aber für alle Dateien eines Buchs gemeinsam anwenden.