Die falsche Frage

(Original von Sarah O’Keefe)

Eine Standardfrage, die mir und auch sicher Ihnen immer wieder begegnet, lautet: »Welche Software soll ich verwenden?«

Das ist, nicht nur in der Technischen Dokumentation, die falsche Frage! Wenn Sie nach danach fragen, landen Sie sofort im dunklen Rattenloch von Bedienbarkeit der Software, Langlebigkeit des Herstellers, Betriebssystemunterstützung.

Eine bessere Frage wäre: »Wie bringe ich meine Informationen am besten an den Kunden?«

Leider ist auch diese Frage schwer zu beantworten und die Antwort wechselt von Jahr zu Jahr. Mit dem Altern des CHM-Formats wurde Browser-Hilfe immer angesagter, jetzt ist es vielleicht ePUB, nächstes Jahr dann HTML5?

Wenn Sie also nicht einmal genau wissen, welche Ergebnisse benötigt werden, sich zudem die Anforderungen ändern, wie können Sie da eine Software auswählen? Eben, es geht nicht.

Die Frage muss anders gestellt werden:
»Wie können Informationen gespeichert werden, um damit aktuelle und zukünftige Anforderungen zu erfüllen?«

Und die Antwort darauf lautet: XML.

Mit einem XML-basierten Workflow stehen Sie nicht vor der Qual der Wahl des besten Werkzeugs. Wenn ein Werkzeug nicht mehr das richtige sein sollte, nehmen Sie Ihre Daten und ziehen weiter zum nächsten. Sie müssen auch nicht schon heute wissen, welche Ausgabeformate Sie einmal brauchen werden. Egal ob XHTML, Browser-Hilfe, HTML5, PDF, ePUB, oder ein heute noch nicht benanntes Format – aus den XML-Daten können Sie all diese Formate erzeugen.

Dieses Vorgehen steht natürlich im Konflikt mit dem Geschäftsmodell vieler Autorenwerkzeuge. Die Softwarehersteller haben ein großes Interesse daran, Sie möglichst langfristig an sich zu binden. (Und: Berater könnten ein Interesse an komplexen Lösungen haben, die nur mit deren Hilfe implementiert werden können.¹)

Wenn Sie also eine Software mit einem hohen Bindungseffekt wählen (im Original: »lock-in«, siehe Lock-in-Effekt, legen Sie Ihre Publikationsstrategie in die Hände des Softwareherstellers. Ihre Strategie würde in erster Linie bestimmt von den Einschränkungen der Software bzw. von den Ideen des Herstellers.

Meiner Meinung nach müssen Sie anders vorgehen: Erst wählen Sie Ihre Strategie, dann suchen Sie nach dafür geeigneten Werkzeugen.

Dieses Vorgehen ist zwar nicht einfacher als die falsche Frage zu stellen und irgendwie zu beantworten, aber mittelfristig wesentlich Erfolg versprechender.

¹) Das könnte auch mich betreffen…
Foto: Thommy Weiss / pixelio.de

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3 Kommentare zu Die falsche Frage

  1. Vielen Dank für die Übersetzung. Ich habe natürlich vergessen, das „bet the farm“ unübersetzbar ist.

  2. Dieter Gust sagt:

    … wie so oft ein Klasse Thema aufgegriffen, aber …

    Die Lösung „XML“ ist so einfach wie unzureichend. Ist die Speicherung im nativen FrameMaker-Format wirklich schlechter als das docx-XML-ISO-Standard-Format? Dann müsste Adobe FrameMaker sein natives Format schleunigst XML-basiert umsetzen. In der Tat meine persönliche Meinung – und eine echte vorausschauende Meisterleistung von Microsoft. Ansonsten ist XML auch nur dann eine „echte“ Option für mehr, wenn man „dieses“ vorher schon hineingesteckt hat: die richtige Mischung aus flexibler und semantisch begründeter Strukturierung mit Blick auf die (maschinelle) Zukunft.

    Grundsätzlich gilt mein Wahlspuch seit 10 Jahren noch immer: XML ist für Maschinen und PDF/HTML sind für Menschen (auch auf den iPads und Galaxy Tabs)

  3. Okay, die Antwort lautet nicht einfach XML sondern ein XML-basierter Workflow. Damit lässt sich ein Etiketten-Schwindel à la .docx vermeiden.

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