Standardstruktur oder besser nicht?

Ich habe bereits verschiedentlich auf den zweifelhaften Nutzen von Standards beim Wechsel zu XML-strukturierter Dokumentation hingewiesen (zum Beispiel hier und hier), aber nun finde ich eine Entscheidungstabelle auch in der Dokumentation zu FrameMaker 9: Im Abschnitt »Implementieren des strukturierten FrameMaker-Formats« findet sich am Ende folgende Tabelle mit »einige[n] Faktoren, von denen es abhängt, ob Sie eine Standardspezifikation übernehmen oder eigene Strukturen erstellen sollten.« (Hervorhebungen von mir)

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Standard Eigene Struktur
Sie müssen [1] Inhalte übermitteln, die einem gebräuchlichen Standard entsprechen. Zum Beispiel müssen viele Auftragnehmer der US Army Unterlagen beibringen, die einem veröffentlichten Standard entsprechen. Sie möchten eine Struktur erstellen, die Ihrer Inhaltsanalyse genau entspricht.
Ihre Anforderungen entsprechen weitgehend einer vorhandenen Struktur. Sie müssen nur wenige Änderungen an der Standardstruktur vornehmen. Laut Ihrer Inhaltsanalyse stimmen die Informationen mit den vorhandenen Strukturen nicht genau überein.
Sie möchten nicht viel Zeit für die Erstellung einer Struktur aufbringen und sind bereit, den Aufbau Ihrer Materialien zu ändern [2], um ihn in die vorhandene Struktur einzupassen. Die Struktur muss mit dem Inhalt genau übereinstimmen. Eine längere Implementierungsdauer [3] ist ein akzeptabler Preis dafür, dass das Ergebnis genau Ihren Vorstellungen entspricht.
Ihnen fehlen das Fachwissen oder die Ressourcen zur Erstellung eigener Strukturen. Ihnen stehen genügend feste oder freie Mitarbeiter zur Verfügung, die sich um die Strukturerstellung kümmern können.

[1]: Klar, wenn Sie müssen, dann führt daran kein Weg vorbei, Ende der Diskussion.

[2]: Wenn Sie den Aufbau Ihrer Materialien ändern müssen, bedeutet das konzeptionelle und redaktionelle Arbeit. Das ist lästig, wenn Sie Ihre diesbezüglichen Hausaufgaben schon gemacht haben und mit der Dokumentationsstruktur zufrieden sind. Unterschätzen Sie keinesfalls den dann anfallenden doppelten Paradigmen-Wechsel: XML-strukturiertes Arbeiten und gleichzeitig eine andere Doku-Struktur. Weder ist es sinnvoll Ihre Doku in eine Standardstruktur hineinzupressen, noch werden Sie erfolgreich damit sein eine vorhandene Struktur so lange zu verbiegen, bis es passt. Außer:

[3]: Wenn Sie eine individuelle Struktur auf Basis einer Standardstruktur (mit einer möglicherweise bereits bekannten Nomenklatur = Elementnamen) erstellen, Sie sich aber nicht sklavisch daran halten, minimiert sich der Aspekt der längeren Implementierungsdauer. Daran glaube ich sowieso nicht, denn auch beim Einsatz von DocBook, DITA und Co. müssen Sie vorab festlegen, welche der vielen dort vorgesehenen Elemente Sie verwenden wollen und welche nicht.

Denn: Der Erstellungsaufwand, der Pflegeaufwand, aber auch der Schulungsaufwand steigt bei jeder XML-Struktur mit der Anzahl der vorhandenen Elemente!

Und da sieht eine schlanke, eigene Struktur ganz schnell besser aus als ein standardisierter Moloch. Meine Devise ist hier ganz einfach: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Und das bezieht sich dann auch auf die Kosten.

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