Übersetzungsprozesse, auch im neuen Jahr

Ich will das hier unter »Sonstiges« einsortieren, da bei der Publikation dieses kleinen feinen Bildbändchens FrameMaker sicher nicht verwendet wurde. Und wenn doch, so hätte dies den Fehler auch nicht verhindert.

Ich meine übrigens nicht die in meinen Augen etwas unglückliche Wahl der Schriftarten für den russischen Text (zu schwer) oder den chinesischen Text (zu »Sun«, hier wäre »Hei« ≈ serifenlos angemessener gewesen). Ich meine auch nicht die etwas heftige Unterschneidung des kyrillischen Ghe in Герман Гессе. Aber was meine ich dann?

Wo ist ganz offensichtlich ein klassischer Fehler im Rahmen der Übersetzungsprozesse passiert?

(Klicken Sie die Bilder an für einen größere Darstellung)

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11 Antworten zu Übersetzungsprozesse, auch im neuen Jahr

  1. johannes graubner sagt:

    Hallo Herr Müller-Hillebrand,

    „1. 1. 2011, 8:00 h“ — haben Sie denn gar nicht Silvester gefeiert? Ich hoffe, das war eine automatische Publikation.

    Sicher meinen Sie auch nicht die Tatsache, dass das Chinesische in der Bildunterschrift vergleichsweise viele Kanji-Zeichen aufweist (warum ist diese Ortsbezeichnung überhaupt transskribiert, wo doch der Name des Dichters nicht in Kanji notiert ist). Sie meinen wohl auch nur mittelbar die Tatsache, dass unter dem Bild die kyrillische Transkription fehlt (da doch Herrmann Hesse „russifiziert“ wurde).

    Ich überlasse es dem nächsten Poster, den wohl eher von Ihnen gesuchten Fehler zu benennen.

    Mit den besten Wünschen für das neue Jahr für Sie und alle Mitleser
    Johannes Graubner

  2. Es war eine automatische Publikation… 🙂

  3. Klaus Müller sagt:

    Chinesisch:
    Müssten die Leerzeichen hinter den Kommata nicht weg?
    Wenn der Satz als Aufzählung zu sehen ist, müssten die entsprechenden Kommazeichen verwendet werden („、“ dùnhào).
    Der Satzendepunkt fehlt („。“ jùhào).

    Russisch:
    Ob die russische Bildunterschrift auf der rechten Seite („Sдntis“) so korrekt ist, ist m.E. auch fragwürdig – das sieht für mich eher aus wie „Säntis“, dem Arial CYR zugewiesen wurde. Das kyrillische De (д) ist ja auch eher kein Vokal …

  4. Klaus Müller sagt:

    So wie z.B. hier:
    „Gerдt wдhlt selbststдndig aus 120 abhцrsicheren Kanдlen“
    http://www.maxis-babywelt.de/ru/product/1173/reer-digitales-babyphon-saentis.html

  5. Stefan Gentz sagt:

    Es wird so sein, wei Klaus Müller festgestellt hat. Aus „Säntis“ wird in einer nicht Unicode fähigen Andwendung unter Zuweisung on z.B. der Arial CYR „Sдntis“.
    Da man das in einer unicodefähigen Anwendung wie InDesign schon wirklich kompliziert erzwingen müsste, würde ich mal vermuten, dass das Buch in einer alten QuarkXPress-Version gesetzt wurde (ich tippe mal auf QXP 4).
    Da die Übersetzungssysteme eigentlich alle durchgängig Unicode-basiert sind und selbst Texte aus nicht unicode-fähigen-Programmen wie QuarkXPress 4 in den Tools unicodebasiert übersetzt werden, dürfte hier der Fehler nicht liegen – im übersetzten russischen Text für den Import in QXD war es sicherlich also noch richtig „Säntis“. Der Fehler ist also streng genommen beim Satz passiert und offenbar wurden Korrektorat / Lektorakt eingespart (man darf doch hoffen, dass es dem Verlag nicht dennoch berechnet wurde).

    Ich gehe gar soweit zu behaupten, dass der Chinesische Text in MS Word vorlag, und in der QXD dann als EPS mit in Kurven umgewandelten Schriften plaziert wurde.

  6. Klaus Müller sagt:

    Korrekt wäre vermutlich „Зентис“ gewesen.

  7. Ulrich Pinkernell sagt:

    дддhm…
    Es müsste eigentlich „Blick vom Sдntis“ heißen, (…in Richtung oberes Rheintal).
    Aber das ist ja kein Übersetzungsfehler. 🙂
    Alles Gute für 2011!

  8. Ich hätte die üblichen Verdächtigen zur Zurückhaltung bei Antworten auffordern sollen. 😉 Zur Ehrenrettung der Übersetzer sei gesagt, dass ich immer nur von den Prozessen spreche. Ich vermute, dass der Setzer alle Originaltexte auch in die Positionen der Übersetzungen kopiert hat und dann beim Copy & Paste der tatsächlichen Übersetzungen dieser Absatz einfach übersehen wurde; bei der Kontrolle (??) wurde das übersehen, weil der Text irgendwie russisch aussah… schlimm!

    Der Link zum Babyshop ist ja köstlich!

    Die üblichen Transliterationsregeln gelten für die Umschrift nicht-lateinischer Zeichen, in umgedrehter Richtung sind durchaus spezielle Gebräuche üblich, weshalb z.B. aus Hermann eben nicht Херман sondern Герман wird. Mein Tipp für eine richtige Darstellung wäre »Сентис«.

  9. Klaus Müller sagt:

    Зентис vs. Сентис: Korrekt. Hier zeigt sich wieder mal, dass eine kurze Google-Suche ohne Verifizierung nicht ausreicht, um die korrekte Schreibweise zu ermitteln. Das funktioniert ja bereits bei „Sдntis“ nicht …

    Da muss man schon etwas kreativ filtern, z.B. „Сентис Säntis site:*.ru wiki“.

  10. Klaus Müller sagt:

    Auch im klassischen Übersetzungsprozess (mit nicht-unicode-fähigen Tools) ist die Erkennung dieser Fehler nicht erst und vor allem nicht ausschließlich im Endlektorat anzusiedeln.

    In der Übersetzungsvorbereitung ist häufig nicht ersichtlich, welche Begriffe nicht übersetzt werden. Dem Übersetzer fehlt u.U. der Kontext, um zu entscheiden, ob z.B. ein Eigenname übersetzt wird oder nicht. Dem Setzer mangelt es ggf. an Sprachkenntnis, um zu erkennen, ob ein Begriff korrekt übersetzt ist oder ein Kodierungsfehler vorliegt.

    Somit sollte bereits der Redakteur eine Sensibilität für den Übersetzungsprozess und den möglichen Problemen der eingesetzten Tools entwickeln. Eine prozessnahe Auszeichnung der betreffenden Begriffe ist erforderlich (z.B. der Einsatz von Variablen statt einer Markierung in der PDF …).

  11. Auf meine Nachfrage, wie denn der Satz für den Bildband entstanden sei, antwortet der Verlag:

    Die Produktion des Bildbandes liegt schon einige Jahre zurück. Der Satz wurde noch über Filme gemacht. Mit welcher DTP Software gearbeitet wurde kann ich leider nicht mehr sagen.
    Herzlichen Dank für den Hinweis. Bei einer Neuauflage werden wir den Fehler auf jeden Fall korrigieren.

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